Archiv 2007
  LITERATUR IM HERZEN DEUTSCHLANDS –
FRANKEN UND DIE DEUTSCHE LITERATUR IV

Aus Franken stammen bzw. hier lebten und wirkten - zumindest zeitweise - mehr bedeutende Vertreter der Deutschen Literatur als uns Nachgeborenen oftmals bewußt ist. So reicht das Spektrum z. B. von Walther von der Vogelweide (nach 1170 - um 1230) über Friedrich Hölderlin (1770-1843) - er wirkte 1793/94 in dem bei Bad Königshofen gelegenen Schloß Waltershausen als Hofmeister - bis zu Theodor W. Adorno (1903-1969), der im beschaulichen Amorbach aufgewachsen ist. Diesem Umstand möchte die Rückert-Gesellschaft als literarische Vereinigung im Rahmen einer losen Veranstaltungsreihe, in der vom reinen Vortrag bis zur musikalisch oder szenisch unterlegten Lesung nahezu jede Veranstaltungsform ihren Platz finden soll, verstärkt Rechnung tragen. Den Reigen werden wir mit den fränkisch-jüdischen Schriftsteller Jakob Wassermann (1873-1934) fortsetzen:
 

Jakob Wassermann, ein Weg als Deutscher, Jude und Franke

Vortrag mit Lesung von Klaus Gasseleder (Erlangen)
Eine Veranstaltung der Rückert-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem
Museum Otto Schäfer und der Volkshochschule Schweinfurt.
Dienstag, 13. Februar 2007, 19.30 Uhr.
Museum Otto Schäfer, Judithstr. 16
3,00 € Eintritt (Mitglieder 2,00 €)

Der in Fürth geborene und aufgewachsene Jakob Wassermann (1873-1934) war (noch vor Thomas Mann) der erfolgreichste deutsche Romanautor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (u. a.: „Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“, „Das Gänsemännchen“, „Der Fall Maurizius“). Zeitlebens beschäftigte ihn die Frage seiner deutsch-jüdischen Identität, die im Mittelpunkt seines in letzter Zeit wieder viel diskutierten und neu aufgelegten autobiographischen Essays „Mein Weg als Deutscher und Jude“ steht, und darüber hinaus auch die Bedeutung seiner fränkischen Herkunft und der fränkischen Landschaft für sein Denken und Dichten, dargelegt in seinem Essay „Meine Landschaft, äußere und innere“. Klaus Gasseleder stellt die Bedeutung von Herkunft und Heimat für Wassermann dar, der die zweite Hälfte seines Lebens in Österreich (Wien und Altaussee) verbrachte, in seinen Schriften jedoch immer wieder auf seine fränkischen Erfahrungen zurückgegriffen hat.

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  LITERATUR IM HERZEN DEUTSCHLANDS –
FRANKEN UND DIE DEUTSCHE LITERATUR V


Aus Franken stammen bzw. hier lebten und wirkten - zumindest zeitweise - mehr bedeutende Vertreter der Deutschen Literatur als uns Nachgeborenen oftmals bewußt ist. So reicht das Spektrum z. B. von Walther von der Vogelweide (nach 1170 - um 1230) über Friedrich Hölderlin (1770-1843) - er wirkte 1793/94 in dem bei Bad Königshofen gelegenen Schloß Waltershausen als Hofmeister - bis zu Theodor W. Adorno (1903-1969), der im beschaulichen Amorbach aufgewachsen ist. Diesem Umstand möchte die Rückert-Gesellschaft als literarische Vereinigung im Rahmen einer losen Veranstaltungsreihe, in der vom reinen Vortrag bis zur musikalisch oder szenisch unterlegten Lesung nahezu jede Veranstaltungsform ihren Platz finden soll, verstärkt Rechnung tragen. Den Reigen werden wir mit den fränkischen Barockdichtern fortsetzen:
 

„Lasst bellen und gellen und schellen“
Poesie fränkischer Dichter von den Pegnitz-Schäfern bis zu Jean Paul

Rezitation von Mitgliedern der Studiobühne der Universität Freiburg
Eine Veranstaltung der Rückert-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem
Museum Otto Schäfer und der Volkshochschule Schweinfurt.
Freitag, 13. April 2007, 19.30 Uhr.
Museum Otto Schäfer, Judithstr. 16
3,00 € Eintritt (Mitglieder 2,00 €)


Die Freiburger Studiobühne - in Schweinfurt vertreten durch Kathrin Nast, Sabine Scharberth, Klaus A. Kiewert und C. J. Andreas Klein - trat von Offenburg bis Eutin, von Loccum bis Dresden in Literaturmuseen, Bibliotheken und Akademien auf mit zahlreichen szenischen Lesungen. Das den fränkischen Dichtern gewidmete Programm wird sprachspielerische Werke der Pegnitz-Schäfer Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658; Begründer des Pegnesischen Blumenordens), Sigismund von Birken (genannt Betulius; 1626-1681) und Johann Klaj (1616-1656) umfassen, sprachgewaltige religiöse Lyrik von Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694), existentielle Gedichte von Johann Friedrich von Cronegk (1731-1758), anakreontische Tändeleien von Johann Peter Uz (1720-1796) und Aphorismen von Jean Paul (1763-1825).

 

Rezension

Die Faszination barocker Sprachgewalt
Freiburger Studiobühne konfrontiert mit der Poesie fränkischer Dichter

Von unserem Mitarbeiter
CLAUS P. GRAS

SCHWEINFURT Stabreime kokett an einander gereiht, prasselnde Sprachfeuerwerke, dichte Bilder in leuchtenden Farben und beschwingender Sprachfluss füllten das Museum Otto Schäfer bei der literarischen Veranstaltung der Rückert-Gesellschaft.
Dazu hatte sich eine stattliche Zahl von Zuhörern eingefunden, um an diesem Abend nicht nur von Erstausgaben der Barockliteratur umzingelt zu sein, sondern um akustisch in Erfahrung bringen zu können, was es denn mit dem barocken Gesamtkunstwerk auf sich hat.
Die drei Akteure der Studiobühne Freiburg, Katharina Nast, Sabine Scharberth und C. J. Andreas Klein, setzen alles daran, mit der von Klassik und Romantik verdeckten Barock-Literatur zu konfrontieren und deren Schönheit, Witz und Temperament aufleuchten und die begeisterten Zuhörer beim Lösen der teils verworrenen Sprachspiele und kniffligen Rätselfragen unmittelbar teilhaben zu lassen.
Das Motto des Abends „Lasst bellen und gellen und schellen“ macht neugierig und steigert mit einem Augenzwinkern die Erwartung, dass es abenteuerlich zu gehen könnte, beim Entdecken eines weitgehend unbekannten Wesenszugs deutscher Sprache und Literatur, wie er am ehesten noch in den kraftvollen Lebensbezügen der Kirchenlieder von Paul Gerhardt (400. Geburtstag) bis in die Gegenwart erhalten geblieben ist.
Die Poesie fränkischer Dichter von den Pegnitz-Schäfern bis zu Jean Paul war angesagt, verbunden mit dem Gedächtnis an den 400. Geburtstag des Begründers des Pegnesischen Blumenordens, Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658).
Die Gedankenfülle der Sinnsprüche, Reime und Gedichte ist überwältigend in Anbetracht der Zeitumstände unmittelbar nach den Schrecken und Verwüstungen im 30-jährigen Krieg. Da wagt es Johann Friedrich Cronegk (1731-1758) die Musen anzurufen, verspürt Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694) sprachgewaltiges „Verlangen nach der herrlichen Ewigkeit“, kommentiert Georg Philip Harsdörffer „Das Leben des Menschen“, zündet Johann Klaj (1616-1656) ein bombastisches, knisterndes sprühendes, überwältigendes „Freuden-Feuerwerk“ barocker Sprachgewalt und ergeht sich Johann Peter Uz in anakreontischen Tändeleien.
Im Pegnesischen Schäfergedicht finden Harsdörffer und Klaj nach haarsträubenden Wechselbädern zur Antwort vor „Alles, was lebet und wehet, das liebet“. An die Vergänglichkeit (= lat. Vanitas), eines der Hauptthemen barocker Literatur, erinnert schließlich das Gedicht „Die Papyrmühle“ von Harsdörffer.
Der Gründer des Pegnesischen Blumenordens war es auch, der am „Vollständig vermehrten Trincir-Buch“ mitwirkte. Darin wird detailgenau barocke Tafelkultur aufgeführt. Ein längeres Kapitel ist den sogenannten Schaugerichten reserviert, die nicht der Sättigung der Gäste dienen, sondern vor allem zum bewundernden Anschauen hergestellt werden, woraus diese herzustellen sind und welche Pflanzen sich für die Färbung dieser Speisen eignen.
Die Zuhörer haben ausgiebig Gelegenheit, die Erfahrung zu machen, dass diese Art der Poesie weniger zum stillen Lesekonsum geeignet ist, sondern hier wird der Übergang zum Verständnis des barocken Gesamtkunstwerks spürbar, sie entfaltet ihre Wirkung, wenn sie „coram publico“ vorgetragen wird.
Den drei Akteuren gelingt dies einmal mehr, weil sie sich bei der szenischen Lesung ausschließlich darauf konzentrieren, die sprachliche Masse der speziellen Literatur begeisternd zu bewältigen und akustisch umzusetzen, die zu einem Zeitpunkt entstanden ist, nachdem „Irene (Friedensgöttin) das Kriegen mit Siegen und Feuer gedämpfet hat.“

Quelle: „Schweinfurter Volkszeitung“ vom 19. April 2007

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  Dienstag, 16. Mai 2007, 10:30 Uhr
 

„Auf den Spuren von Friedrich Rückert“

Spaziergang in Schweinfurt zum 219. Geburtstag
mit Dr. Rudolf Kreutner (Gedanken zu Rückert-Denkmal und Geburtshaus)
und Hans Schömburg (Lichtbildervortrag zu Gedichten von Friedrich Rückert)
Treffpunkt: Rückertdenkmal, Schweinfurt

Eine Veranstaltung des Seniorenbüros Schweinfurt
in Zusammenarbeit mit der
Rückert-Gesellschaft e.V.

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  Sonntag, 20. Mai 2007, 7:30 Uhr
 

„Dem Wandersmann gehört die Welt ...“

Rückert-Wanderung unter der Leitung von Hans Schömburg
Treffpunkt: Theater Schweinfurt
Eine Veranstaltung des Touristenvereins Die Naturfreunde e.V.
und der
Rückert-Gesellschaft e.V.

Auf dem Friedrich Rückert Wanderweg von Rentweinsdorf nach Seßlach.
Die Wanderung führt durch den nordöstlichen Teil des Naturparks Hassberge. Der Wanderweg, der dem Dichter Friedrich Rückert auf den Stationen seines „Lebensweges“ folgt, bringt uns in die liebenswerte fränkische Kleinstadt Ebern und zur ungewöhnlichsten Burganlage Deutschland, der Ruine Rotenhan. Durch Wald und blumenreichen Fluren erreichen wir Sesslach wo wir mit einer Stadtführung den Wandertag abschließen.

Am Sonntag den 20. Mai 2007 um 7.30 Uhr
startet der Bus am Schweinfurter Theater

um die Teilnehmer zum Ausgangspunkt der Wanderung zu bringen.
Die Wegstrecke beträgt 22,7 km; Teilwanderungen sind möglich.
Mittagsrast im „Gasthof Specke“ in Eyrichshof.

Wegen der An- und Rückfahrt mit dem Bus ist das Lösen einer Teilnehmerkarte
ab 2. Mai in der Buchhandlung „Collibri“ oder eine verbindliche Anmeldung
bis 17. Mai unter der Telefonnummer 0 97 21 / 5 83 59 erforderlich.

Teilnehmergebühr: 12 €

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  Samstag, 23. Juni 2007, 10:30 Uhr
RATHAUS EFFELDER, Schloßgasse 20, 96528 Effelder
  Jahresmitgliederversammlung

Nach dem Mittagessen lädt der Bürgermeister Jost Morgenroth zu einem Ortsrundgang mit Besichtigung der Rückert-Gedenkstätte Effelder ein.
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  Mittwoch, 26. September 2007, 20.00 Uhr
Rathausdiele, Markt 1, 97424 Schweinfurt
  Tanz meiner Seele – Leben und Werk von Mevlana Celaleddin-i Rumi

Lesung mit Musik von Peter Hub, Diyap Yesil u. a.

Eine Veranstaltung der Volkshochschule Schweinfurt in Zusammenarbeit mit der
Rückert-Gesellschaft e. V., dem BJZ Schweinfurt, dem Projekt
Gern Daheim in Schweinfurt,
der Stadt Istanbul, dem Interkulturellen Begegnungszentrum für Frauen e. V. (IBF)
und der Lokalen Agenda 21

Eintritt frei


Zum 800. Geburtstag des islamischen Dichters und Philosophen findet eine Abendveranstaltung statt, bei der Peter Hub die von Rückert übersetzten Gedichte Rumis in deutscher und Diyap Yesil in türkischer Sprache lesen. Untermalt wird die Lesung mit Musik (Ney-Flöte, Ud-Saiteninstrument, Gesang); das Leben und die Philosophie Rumis werden in kurzen Wortbeiträgen vorgestellt. Nach der Veranstaltung wartet ein kleiner Imbiß auf das Publikum.

Vor der Lesung besteht ab 19.00 Uhr Gelegenheit, in der Vorhalle des Alten Rathauses eine Ausstellung der Stadt Istanbul mit osmanischer Kunst zum Thema Rumi zu besichtigen.

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  Donnerstag, 25. Oktober 2007, 19.00 Uhr
Bonifatiushaus, Neuenberger Str. 35, 36041 Fulda
  „Die Deutschen – Auserwähltes Volk mit Hindernissen“– Die politische Lyrik Friedrich Rückerts

Vortrag von Dr. h.c. Rudolf Kreutner

Eine Veranstaltung des Bonifatiushauses Fulda in Zusammenarbeit mit der
Hochschul- und Landesbibliothek Fulda und der Rückert- Gesellschaft e. V.


Eintritt frei (Abendessen um 18.15 Uhr. 4,00 €)

Geboren kurz vor dem Ausbruch der Französischen Revolution, die das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation besiegeln sollte, stirbt Rückert inmitten der Geburtswehen des Zweiten Deutschen Reiches, das er wie viele seiner Zeitgenossen nicht weniger ersehnt hat als einst Mose das Gelobte Land. Erschien die Deutsche Einheit zur Zeit der Befreiungskriege noch in greifbarer Nähe, zerschlugen sich die Hoffnungen 1815 mit dem Schlußprotokoll des Wiener Kongresses. Was blieb, war die Sehnsucht, die in weiten Teilen Deutschlands fast pseudoreligiöse Erlösungszüge annahm: Geschichte, Nation und Politik wurden zu Teilen eines göttlichen Heilgeschehens umgedeutet. Diese durch den deutschen Idealismus noch hochkritisch angereicherte Sichtweise bildete den eigentlichen bürgerlichen politischen Mainstream des 19. Jahrhunderts. Rückerts weitgehend noch unveröffentlichte Alterslyrik der Jahre 1846 bis 1866 darf als einzigartig geschlossenes Zeugnis dieser stark protestantisch geprägten politischen Gedankenwelt gelten, die mit ihrer nicht unproblematischen Gratwanderung zwischen Mythos, Illusion und Wirklichkeit das ausgehende 19. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert hinein maßgeblich prägen sollte.
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  Dienstag, 30. Oktober 2007, 19.30 Uhr
MUSEUM OTTO SCHÄFER, Judithstr. 16, 97422 Schweinfurt
  „Der Main darf einmal Euphrat heißen“ – Oskar Loerke zu Goethes und Rückerts „Orient“

Vortrag von Dr. Christoph Michel (Freiburg i. Brsg.)
Eine Veranstaltung der Rückert- Gesellschaft e. V.
in Zusammenarbeit mit dem
Museum Otto Schäfer

Eintritt für Mitglieder 2,00 €

Oskar Loerke (1884-1941), Lyriker, Essayist und Literaturkritiker, ab 1917 Lektor im S. Fischer Verlag, hat Goethe und Rückert als Vermittler orientalischer Dichtung vielfach, oft emphatisch, gerühmt. Daß seine, auf eminenter eigener Kennerschaft gegründete Würdigung auch – ihm selbst vielleicht unbewußt – Kritik an dieser großen kulturellen Transferleistung enthält, wurde bisher übersehen. Der Vortrag folgt den Spuren dieser latenten Kritik an Goethes „West-Oestlichem Divan“ und Rückerts „Oestlichen Rosen“. Loerkes verhaltener Vorschlag eines Perspektivenwechsels, ja eines neuen Verständnisses gegenüber „dem“ Orient erscheint in einer Zeit, in der sich die Koordinaten zwischen Orient und Okzident rapide verändern, mehr als aktuell und produktiv.
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  Sonntag, 11. November 2007, 11.00 Uhr
MUSEUM OTTO SCHÄFER, Judithstr. 16, 97422 Schweinfurt
  Luise Rückert geb. Wiethaus-Fischer – Frau des gelehrten Dichters Friedrich Rückert

Moderierte Lesung mit
Ingeborg Forssman, Silke Weidinger und Prof. Dr. Bernhard Forssman (Erlangen)

Eine Veranstaltung der Rückert-Gesellschaft e. V.
in Zusammenarbeit mit dem
Museum Otto Schäfer

Eintritt für Mitglieder 2,00 €

Jede Lebensleistung benötigt ein Umfeld innerhalb dessen sie überhaupt erst entstehen kann. Dazu gehören auch – und sicherlich nicht an letzter Stelle! – die oftmals leider fast gänzlich vergessenen Gattinnen. Luise Rückert geb. Wiethaus-Fischer (1797-1857), die der Dichter Friedrich Rückert (1788 - 1866) nicht ohne Grund „Mein guter Geist, mein beßres ich!“ nannte, erging es in dieser Hinsicht kaum anders als anderen Frauen ihres Standes. Erst die inzwischen bereits in zweiter Auflage vorliegende Luise-Rückert-Biographie von Ingeborg Forssman erschloß uns Leben und Bedeutung dieser ebenso starken wie patenten Frau. Die von der bekannten Biographin konzipierte Matinee wird anhand der Briefe von und an die Dichtersgattin einen ebenso einfühlsamen wie plastischen Einblick in die häufig nicht einfache Lebenssituation dieser wegen ihrer besonderen Lebenstüchtigkeit für Rückert unverzichtbaren Lebensgefährtin bieten.
 
Rezension

Mein guter Geist, mein beßres Ich
Das Leben der Luise Rückert in einer
beeindruckenden moderierten Lesung

Luise Rückert auf einem Bild von Carl Barth,
vermutlich im Jahr 1821

Foto: Rückert-Gesellschaft

Von unserer Mitarbeiterin
ERNA RAUSCHER-STEVES

 

SCHWEINFURT. Eine junge, hellhäutige Frau blickt den Betrachter an. Zurückhaltend scheint sie, doch lebensklug, mit einem kleinen Mund und ausdrucksvollen Augen. Der weiße Kragen schmiegt sich um den Hals, darunter ein rosenfarbenes Kleid. Das ist sie: Luise Wiethaus-Fischer, vermutlich im Jahr ihrer Hochzeit 1821 mit Friedrich Rückert. Das Bild hat Hans Schömburg, Mitglied der Rückert-Gesellschaft, von einer handtellergroßen Miniatur von Carl Barth auf Lebensgröße reproduziert.
Dank dieses Bildes haben die Zuhörer der moderierten Lesung Museum Otto Schäfer zum sprachlichen Eindruck der Briefe dieser Frau auch den optischen. Es scheint fast, als fange sie gleich an zu reden.
Die Luise-Rückert-Biographin Ingeborg Forssman erzählt das Leben dieser Frau, Silke Weidinger leiht deren Worten ihre Stimme, Bernhard Forssman liest die Antworten Rückerts oder anderer Zeitgenossen. Anlass für diese Veranstaltung der Rückert-Gesellschaft ist ein zweifaches Gedenken: Luises 210. Geburtstag im November und ihr 150. Todestag im Juni.
In keinem Nachschlagewerk ist sie verzeichnet und teilt damit das Schicksal ungezählter Ehefrauen berühmter Männer. Auf den ersten Blick unterscheidet ihres sich wenig von dem anderer Frauenschicksale ihrer Zeit: früher Verlust des Vaters, Liebesheirat, zehn Kinder in rascher Folge, selbstständige Führung eines großen Haushaltes, Tod im 60. Lebensjahr. Doch da ist dieser Poet, der sie in unzähligen Gedichten besingt (Mein guter Geist, mein beßres Ich!), der ihr im Sommer der Heirat den Liebesfrühling schreibt und ihr die schönste Liebeserklärung macht: Ich liebe dich, weil ich dich lieben muss.
Oft sind die Eheleute getrennt, und so schreiben sie sichein Glück für die Nachwelt, denn aus diesen Briefen erfährt man über die Beziehung der beiden, hört von den Befindlichkeiten der Frau, die über Rückerts oft üble Laune und ihre Erziehungsschwierigkeiten mit den Söhnen (kaum kann ich die Buben bändigen) klagt. Ein Schicksalsschlag ist es besonders, der sie tief trifft: Zum Jahreswechsel 1833/34 sterben die Kinder Ernst und Luise. Der Schmerz macht sie fühllos: ... und fühle mich anob ich's denn noch bin? Doch er eint die Eheleute: Rückert weint mit mir.
Belesen ist sie, für die Arbeit ihres Mannes interessiert sie sich. Sie führt ein gastfreundliches Haus. Der letzte Brief an Rückert datiert aus dem Jahr 1848, in dem sich dieser in den Ruhestand versetzen lässt und von da an zu Hause lebt.
Bisweilen sind die Briefe recht ausführlich. Eine Kürzung an manchen Stellen hätte der Lesung nichts von ihrer sensiblen Darstellung dieser beeindruckenden Frau genommen.

Quelle:
„Schweinfurter Tageblatt“ vom 14. November 2007
„Schweinfurter Volkszeitung“ vom 17. November 2007

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